Schnipp Schnapp – alte Triebe ab.
Zusammen mit Elli und Konstantin habe ich ein Zertifikat im Rebschnitt erworben. Ist ja gut und schön wenn man dieses Thema in der Vorlesung durchnimmt und ganz viele tolle Bilder gezeigt bekommt. Trotzdem. Es gibt nicht -den perfekten Rebstock- (wie er im Buche steht).
Die anderen Kursteilnehmer waren alles ältere Herren. Einer will jetzt einen Weinberg zum Ausgleich seiner Arbeit pflegen, 2 Hobbygärtner wollen ihre paar Stöcke ordentlich pflegen. Am niedlichsten waren die 2 Herren, die jetzt endlich wissen wollen, wie man nun schneidet; den Weinberg bewirtschaften sie ja schon ein paar Jahre. Nach einem Vortrag vom Weinbauamt im warmen Schulungsraum ging es dann raus in den Wingert, wie man hier so gern sagt. Der ist ja fast so komisch dieser Begriff wie „Rebgarten“. Ich sollte dazu sagen, es war ein kalter Samstag: höchstens 5 Grad, leichter Niederschlag der sich zum Mittag von Wolken und angedeutetem Sonnenschein abwechseln ließ. Nachdem wir erst einmal einen noch ungeschnittenen Weinberg suchen mussten, denn in den Anlagen wurde bis dato nur geschnitten und nicht ausgehoben, wurde die Theorie zur Praxis. Jeder nahm sich einen Stock vor und musste solange überlegen bis der Kursleiter bei ihm war und sich vom Teilnehmer erklären ließ, WAS er WARUM entfernen würde. War alles richtig gedacht, durfte nun endlich die Schere ans Werk. Achja, Thema Scheren . . . daraus wurde ja auch fast ein Vortrag. Jeder Teilnehmer musste selbst ein Schneidegerät mitbringen, na klar war da keine Rebschere dabei. Die gute Garten- und Rosenschere wurde diskriminiert und am Besten schnitt wortwörtlich die hundealte Schere (noch von Oma) eines Teilnehmers ab. Die Marke habe ich mir leider nicht gemerkt, aber es gibt ja auch nur 2 Marken. Nach diesen klassifiziert man ihre Nutzer.
Während wir uns in den Zeilen vergnügten hatte ich das Gefühl, dass der Schlamm an meine Stiefel gefror, denn er wollte nicht mehr von selbst abfallen. Unser Versuchsweinberg war zwar kurz aber steil. Je weiter wir uns in der Zeile vorarbeiteten, desto mehr hatte ich das Gefühl in der guten Erde tiefer einzusinken.